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Das Krücken-Glück und das Echt-Glück

Es gibt zwei Arten von „Glück“. Das eine nenne ich „Krücken-Glück“ und das andere „Echt-Glück“. Das Krücken-Glück ist ein Glück, das das Streben hat, häufiger glückliche Momente zu erleben, weniger Sorgen, mehr Anerkennung zu haben. Auf dieses „Glück“ beziehen sich 95% aller Glücksbücher. „Vergleich dich nicht mit anderen“, „Mach Yoga Entspannung“, „Denke positiv“, „glaub an dich“, „Dein Beruf soll Berufung sein“, „du musst auch loslassen“ usw. Dieses Glück kann man in Maßen lernen. Aber dieses Glück bleibt sehr fragil, ist an äußere Bedingungen geknüpft und man ist niemals vollkommen angekommen.

Es bleibt immer unsere Angst, ob einem die anderen auch mögen

Die Stürme kommen immer wieder zurück,  die ständige Suche nach Menschen, von denen man sich Anerkennung erhofft, liegt wie ein schwerer Teppich über der Schulter. Dieses Bedürfnis nach „Gesehen werden“, nach erhoffter Bedeutung, nach „Liebe“ von anderen, sind die Krücken, die in einem immer diese Angst vor dem „Niemand sein“ wach halten. Die Angst vor sozialem Abstieg, die Angst vor Misserfolg, Einsamkeit und Tod will einfach nicht weichen.

Das Echt-Glück besteht aus tiefem Frieden

Dann gibt es ein Glück, das ich Echt-Glück nenne, das kann man nicht lernen. Es gibt nur etwa 30‘000 bis 50’000 Menschen auf der Erde, die dieses Echt-Glück derzeit erleben. Das passiert in einem plötzlichen Moment. Plötzlich kehrt Friede ein, tiefer un-umkehrbarer Friede – alles ist plötzlich still, perfekt und schön. Denn die Ursache aller Probleme ist verschwunden. Das „Ich“ ist weg. Es gibt keine „Person“ mehr, die da agiert, alles geschieht durch einen. Die Gedanken sind zu zwei Dritteln verschwunden, und die wenigen, die noch da sind, können ohne Identifikation einfach nur beobachtet werden. Es gibt keine sozialen Ängste mehr, die Angst vor dem Tod ist komplett verschwunden. Dieser Zustand wird als das Paradies auf Erden beschrieben. Dieses Echt-Glück kann man nicht lernen. Man kann versuchen sich darauf zuzubewegen, manchen passiert es, manchen nicht, es gibt keine Regel. Man nennt diesen plötzlichen Moment auch „Erwachen“ oder „Erleuchtung“. Dahin strebt unsere Seele wirklich.

 

Unser „Krücken-Glück“ hängt von unserer Identität ab.

Identität fängt mit dem Namen an

Ein Kleinkind bis ca. einem Jahr hat noch keine Identität. Man kann es weder loben, noch beleidigen. Denn es kennt keine Sprache. Das erste Wort, das es lernt, ist der eigene Name. „Laura“, sobald es auf diesen Namen reagiert, fängt es an zu glauben, dass es sie gibt. Sie hält das Wort für sich selbst.

Ohne andere Personen, die ihr dieses Wort sagen, kann das Wort „Laura“ keine Bedeutung haben. Es braucht schon im jüngsten Kleinkindalter externe Personen, um Identität zu entwickeln. Ohne vorgestellte externe Personen gibt es keine Identität.

Unsere Person ist eine Illusion

Und hier die Botschaft, die wir nicht gerne hören, die aber leider wahr ist: Um das „Krücken-Glück“ zu überwinden und zum „Echt-Glück“ des immerwährenden Friedens zu kommen, müssen wir bereit sein, unsere Identität als Person verschwinden zu lassen. Alles was einem Menschen in diesem Zustand danach passiert, passiert keinem „Jemand“ mehr, es passiert einem „niemand“. Es ist die Auflösung der Person.

Die Person, die wir glauben zu sein, ist in Wahrheit nicht existent. Unsere „Persönlichkeit“ ist eine Einbildung. Sie ist bloß ein Bild, das wir für andere abzugeben versuchen. Und die Wahrnehmung dieses Bildes halten wir für uns selber.

Was wir aber wirklich sind, ist nur dieses eine All-Das-Ist. Das universelle Bewusstsein, dass das Universum mit all der Materie, all der Natur und all den Personen nur träumt. Irgendwann wacht ein jeder von uns auf und erkennt, dass er nichts anderes als dieses eine universelle Bewusstsein ist.


Zum Autor

Matthias Pöhm ist der wohl bekannteste Rhetoriktrainer im deutschsprachigen Raum. Erfolg und Bekanntheit war lange Zeit sein Credo. Im März 2005 hatte er jedoch ein einschneidendes spirituelles Erlebnis und seither hat sich seine Weltanschauung gewandelt.

Er hat erkannt, dass mit „Objekt-Glück“ niemals Frieden im Menschen entsteht und so auch kein Frieden in der Welt entstehen kann.

Pöhm betreibt einen spirituellen Blog. http://www.spiritueller-blog.com

 

 

 

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