Ist es okay Nein zu sagen

„Nein“ zu sagen scheint auf den ersten Blick sehr einfach, es handelt sich hierbei um vier Buchstaben. Es gibt jedoch viele, für die „Nein“ das härteste Wort der Welt ist. Es gibt jedoch Hoffnung – wenn du mutig genug und bereit bist, für dich selbst einzustehen. Wie alles andere kannst du diese sehr nützliche Fähigkeit erlernen. Wie genau, erfährst du im Text.

Giltst du für allwissende und alles könnende Mutter? Für ausgezeichneten und ehrgeizigen Mitarbeiter? Oder für immer hilfsbereiten Freund?

Viele von euch freuen sich,  wenn sich andere freuen, wenn unsere Kinder sich geborgen fühlen, wenn unsere Kollegen sich auf uns verlassen können oder wenn wir eine Schulter zu Weinen anbieten können.

Willigst du ein, deiner Kollegin eine Aufgabe abzunehmen oder das Geschenk für deine Schwiegermutter zu besorgen, auch wenn du selbst alle Hände voll zu tun hast?

Weshalb fällt es uns so schwer, einfach NEIN zu sagen?

Es ist nach einer Weile zu merken, dass es sich in etwas anderes verwandelt und verliert an der ursprünglichen Idee.

Es ist zwar vollkommen in Ordnung anderen einen Gefallen zu tun oder Freude zu bereiten, aber nur bis zu dem Punkt, wo wir es gerne und freiwillig machen, ohne dass es uns erschöpft. Unser Körper hilft uns dabei, da er über einem fehlerfreien Signalisierungssystem verfügt.

Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsmangel, Lustlosigkeit sind alle da, uns eben zu verstehen zu geben, dass es für ein „Nein“ höchste Zeit ist. Das Problem besteht allerdings darin, dass wir oft dazu neigen, diese Anzeichen zu ignorieren.

Oder was mir oft passiert – Lehne ich doch mal eine Bitte ab, sehe ich mich immer dazu veranlasst, eine ausführliche Erklärung anzubieten, gefolgt von einer selbstverständlichen Entschuldigung.

Ich habe Angst, unhöflich zu sein. Ist es aber Unhöflichkeit?

Warum machen wir uns ständig Sorgen darüber, was für einen Eindruck wir hinterlassen?

Sorgen Eindruck hinterlassen

Andrea Mergel, Autorin des Buches Achtsame Kommunikation, kann das gut nachvollziehen:

„In unserer Kultur gehört es zum guten Ton, jederzeit für andere da zu sein. Für sich selbst zu sorgen, Nein zu sagen oder Hilfe auszuschlagen stehen dagegen weniger hoch im Kurs, und schon Kinder werden dazu angehalten, nicht so egoistisch zu sein.“

Die Zunge ist schneller als das Gehirn, oder?

Häufig reden wir sofort drauflos, ohne vorher überlegt zu haben, was wir eigentlich wollen. Wann war das letzte Mal, als du dich gefragt hast, was du willst oder was dir passt?

Andrea Mergel verwendet eine Achtsamkeitstechnik, um aufgewühlte Gefühle zu besänftigen. Man sollte seine Aufmerksamkeit auf den Körper lenken, die Gedanken bündeln und einfach mal tief atmen.

Dadurch setzt man sich in die Lage, tieferen Bedürfnissen nachzuspüren und souverän den nächsten Schritt zu planen – in diesem Fall eine sachliche Antwort, die uns wirklich entspricht.

Also, achtsame Kommunikation befähigt uns, gut für uns einzustehen. Das bedeutet aber nicht, unhöflich zu sein.

Grenzen setzen ohne schlechtes Gewissen

Ich möchte nicht mehr übermüdet Kuchen backen, immer angenehm bleiben oder mich überfordern, nur weil es sich so gehört. Dann muss ich mich(r) eine neue Fähigkeit aneignen – Grenzen setzen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben bekommen.

Die Fähigkeit, seine Grenzen zu ziehen, scheint nicht nur eine Frage des Bewusstseins, sondern auch des Rollenverständnisses zu sein, mit dem wir aufgewachsen sind.

Insbesondere können Frauen Grenzensetzung echt schwer finden, da der gesellschaftliche Druck, nett zu sein, bei Frauen viel größer ist, als bei Männern. Mädchen wurden zu dem Glauben erzogen, dass es sehr wichtig ist, liebenswürdig zu sein.

Und dieser liebenswürdige Wesenszug ist unvereinbar damit, seinem Ärger Luft zu machen oder laut zu widersprechen. Wir soll(t)en aber diese Lektionen über die Geschlechterrollen wieder vergessen und unsere Kinder anders erziehen.

Wahrnehmung der eigenen Grenzen

Die erste Hürde besteht darin, überhaupt wahrzunehmen, wo die eigenen Grenzen liegen, denn erst dann kann man sie einfordern. Im zweiten Schritt soll man sich selbstsicher vertreten und sich nicht gleich wieder dafür entschuldigen.

Sowas völlig gelassen auszuführen, ist uns keineswegs eingeboren, sondern es ist auch etwas, was man lernen und üben kann. In erster Linie ist die Formulierung wichtig und Klarheit spielt da die wesentliche Rolle.

Neulich war ich mit einer Freundin verabredet. Jedoch rief sie am Abend vor dem Treffen an und fragte, ob wir es verschieben können.

Ihre Woche war anstrengend und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als einen ruhigen Abend mit ihrem Mann zu verbringen. Ich bedauerte, mich nicht mit ihr treffen zu können, aber ich war vor allem dankbar für ihre Offenheit.

Mir war ganz klar, wie sie sich fühlte. Häufig empfinden Freunde und Kollegen es sogar als angenehm, mit Menschen umzugehen, die ihnen Klarheit vermitteln.

Stelle dein Standpunkt in den Mittelpunkt

Standpunkt in den Mittelpunkt

Die Kehrseite der Medaille ist, dass Grenzensetzung einige Veränderungen mit sich bringt.

Vielleicht enttäuscht man jemanden, der fest mit einem gerechnet hat, oder man stellt fest, dass man sich von einem Menschen oder einer Idee verabschieden muss. Hört sich das nach einer schmerzlichen Entscheidung an? Diese wird aber belohnt.

Die Belohnung besteht darin, dass man wirklich das Leben führt, das man sich wünscht. Wenn man mit sich im Einklang ist, bringt einem das ein großes Maß an Zufriedenheit.

Den eigenen Standpunkt in den Mittelpunkt zu stellen bedeutet nicht, egoistisch für seine Interessen zu kämpfen. Es heißt schlichtweg, für sich selbst zu sorgen. Und das ist etwas, womit wir am besten gleich heute anfangen.

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